Meine Daumen sind zu dick. Jedenfalls für die virtuellen Bildschirmtastaturen auf aktuellen Smartphones und Tablets im Hochformat. Im Querformat wiederum sind die Smartphones und Tablets zu breit, um mit meinen Daumen die Tasten in der Mitte bequem zu erreichen. Es gibt Softwarelösungen für dieses Problem, die auf dem Bildschirm eine geteilte und fast beliebig anpassbare Tastatur bereitstellen. Wirklich befriedigt hat mich das bis heute nicht, auch weil ich nach wie vor nur unter Protest beim allgemeinen Geschmiere auf den Touchscreens mitmache.

Deshalb liebe ich Knopftastaturen: Ergonomisch layoutete winzige QWERTZ-Tastaturen mit echtem Druckpunkt, auf denen ich mit den Daumen annähernd so schnell tippen kann wie auf einer Desktop-Tastatur. Tatsächlich gab es immer wieder Geräte, die solche Tastaturen irgendwo in ihrem ohnehin schon kleinen Gehäuse verbargen:

Etwa den Sharp Zaurus 5500G, eine mittlerweile antike PDA-Perle, die unter Linux lief. Leider war der reflektive Bildschirm – wenn auch bei Sonnenlicht im Gegensatz zu heutigen Displays jederzeit hervorragend ablesbar – mit nur 240 x 320 Pixeln zu niedrig aufgelöst für viele Anwendungen, auch der Prozessor reichte natürlich nicht an heutige Standards heran.

Trotzdem habe ich auf dem Gerät sehr viele Texte getippt, und zwar sogar während des Spazierengehens im Park. Mit einer virtuellen Tastatur ist das fast unmöglich. Ein weiteres Beispiel war das SonyEricsson Xperia mini pro – das winzige Smartphone hatte eine ähnlich gute Knopftastatur an Bord wie der Zaurus und bot schon wesentlich mehr Leistung. Allerdings wäre man damit heute eine wandelnde Sicherheitslücke – Android-Updates Fehlanzeige.

Außerdem ist der Bildschirm so klein, dass das Lesen von e-Books oder das Schreiben längerer Texte keinen Spaß machen. So habe ich mir in den letzten Jahren immer mal wieder das Netz wundgesucht nach Bluetooth-Tastaturen mit vergleichbarem Formfaktor – meist vergeblich, denn aus unerfindlichen Gründen scheint es bis heute keine universelle Smartphone-Hülle mit einer eingebauten Bluetooth-Daumentastatur zu geben.

Doch vor einigen Monaten wurde ich endlich fündig – eine einzige separate Tastatur erfüllt meine Bedingungen: Die Rii i8+. Sie liegt zumindest in meinen Händen perfekt und ermöglicht mir das Tippen mehr oder weniger so, wie ich es vom Zaurus-PDA gewohnt war, nebst Mausbedienung per eingebautem Multi-Touchpad (Multitouch-Pad?). Sie arbeitet mit jedem beliebigen PC, Mediacenter, Tablet oder Smartphone.

Das Gerät ist so chinesisch, wie es nur sein kann, inklusive haarsträubender Bedienungsanleitung – funktioniert aber tadellos, ist gut verarbeitet und besitzt einen Vorteil, der typisch ist für exotische Nischenprodukte aus Fernost: Man kann das Gehäuse aufschrauben. So lässt sich notfalls der Akku tauschen, und man kann das Gerät sogar modifizieren, weil im Rückdeckel Platz ist für Bohrlöcher und Schrauben.