Wer mehr als ein Betriebssystem nutzt, wünscht sich Software, die plattformübergreifend installiert werden kann. Ob der Hersteller sein Programm für verschiedene Systeme anbietet, hängt von vielen Faktoren ab. Zu den wichtigsten zählt die Codebasis, für die sich der Anbieter entschieden hat: Ist die Software leicht portierbar, also mit wenig Aufwand an unterschiedliche Betriebssysteme anzupassen? Was früher die Ausnahme war, wird inzwischen zum Glück häufiger – dennoch sucht man meist eine Weile, bis man Programme findet, die auf den drei großen Systemen Linux, Windows und Apple laufen und vielleicht sogar mit identischer Funktionalität als App auf dem Smartphone. Um die Suche abzukürzen, nachfolgend eine Auswahl nützlicher Software – frei und kommerziell – mit der keine Entscheidung für ein bestimmtes Betriebssystem verbunden ist.

Größte Anerkennung gebührt den Entwicklerteams im Open-Source-Bereich – hier ist plattformunabhängige Programmierung meist Standard. Die Arbeit der ehrenamtlichen Entwickler hat auch den Druck auf kommerzielle Anbieter erhöht, mehr als nur ein Betriebssystem zu bedienen. Mein „Schweizer Messer“ der wichtigsten Anwendungen besteht daher aus freier Software: Der Webbrowser Firefox ist für Win/Mac/Linux ebenso verfügbar wie für Android und iOS. Auf den Desktop-Plattformen bevorzuge ich entsprechend auch das e-Mail-Programm der Mozilla Foundation: Thunderbird mit der Kalendererweiterung Lightning kann problemlos etwa auf den Google-Kalender zugreifen. Ins Werkzeugset gehören für mich auch unbedingt der FTP-Client FileZilla und der Mediaplayer VLC. Letzterer ist wiederum für Smartphones gleichermaßen verfügbar wie auf Desktop-Rechnern. Sehr nützlich sind weiterhin die Grafikprogramme Inkscape (Vektorzeichenprogramm), Gimp (Bildbearbeitung) und Blender (3D-Animation und Compositing). Für Hobbyprogrammierung nutze ich die ebenfalls übergreifend verfügbaren Editoren Code::Blocks und SciTE sowie den UML-Designer StarUML. Experimente mit Hardware wie Arduino erleichtert die geniale freie Software Fritzing – entstanden an der Fachhochschule Potsdam und weltweit als Standard etabliert.

Dieses völlig kostenlos verfügbare Werkzeugset bietet heute einen so großen und stabilen Funktionsumfang, dass sich kommerzielle Anbieter in den entsprechenden Bereichen sehr anstrengen müssen, jemanden wie mich noch zum Kauf zu bewegen. Doch ich gebe auch gerne Geld aus, wenn ein Werkzeug plattformübergreifend hervorragende Dienste leistet. Das gilt für mich etwa im Office-Bereich: Dem Nürnberger Softwarehaus Softmaker – einem Urgestein der deutschen Softwareszene – ist es gelungen, das klassische Officepaket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm mit praktisch identischem Funktionsumfang für alle fünf wichtigen Betriebssysteme anzubieten. Hier spreche ich eine klare Empfehlung aus – die Software geht sparsam mit Speicherplatz und Rechenleistung um, ist dazu schnell und absolut stabil, zudem gibt es jahrelang kostenlose Service-Updates. Damit gebe ich SoftmakerOffice gerne den Vorzug vor freien Office-Paketen wie OpenOffice und LibreOffice, die im Vergleich schwerfällig und unaufgeräumt wirken und nicht für Smartphones verfügbar sind. Damit wir uns richtig verstehen: SoftmakerOffice bietet auf meinem Telefon und dem Tablet wirklich exakt die gleichen Funktionen und die gleiche Oberfläche wie in der Desktop-Version, praktisch ohne Einschränkung – perfekt, um unterwegs auf typische .doc-Dateien und Ähnliches zuzugreifen und die Dokumente vollständig kompatibel wieder abzuspeichern und zu verschicken. Eine gewaltige Erleichterung, die mobiles Arbeiten sehr angenehm macht.

Beinahe ähnliche Lorbeeren hat sich meiner Meinung nach ein niederländischer Anbieter verdient: Der Mindmapper und Outliner SimpleMind ist für Android, iOS, Windows und Mac verfügbar. SimpleMind integriert auch hervorragend Cloud-Dienste wie Google Drive – und kann auf Linux problemlos in der Windows-Umgebung Wine betrieben werden. Diesen Weg auf die Linux-Plattform bietet auch die britische Autorensoftware Scrivener (eine ausgefeilte Kreuzung aus Textverarbeitung und Datenbank), wobei die sehr sympathischen und aufmerksamen Entwickler zusätzlich an nativen Versionen für Linux und Android arbeiten. Für iOS ist Scrivener bereits jetzt neben Win/Mac verfügbar.

 

Im Bereich der Videobearbeitung sah es bis vor Kurzem finster aus, was plattformübergreifende Angebote anging. Doch es wurde Licht: Der altgediente Profi-Videoeditor Lightworks – mit eingeschränktem Funktionsangebot kostenlos – kommt in der aktuellen Version mit mobilen Intel-Grafikchips zurecht und läuft daher ohne Einschränkung auch auf einem schnellen Linux-Laptop (sowie auf Windows und Mac). Gleiches gilt für die extrem leistungsfähige und seit vielen Jahren etablierte Compositing-Software Fusion, ursprünglich von einem kanadischen Anbieter. Die australische Firma Blackmagic Design hat den Hersteller eyeon geschluckt und stellt seither diese sensationell mächtige Software fast ohne Einschränkungen für Windows, Mac und Linux kostenlos zur Verfügung. Harte Zeiten für satte, teure und in meiner Wahrnehmung oft arrogante Konkurrenten wie Adobe und Avid – die Australier machen ihnen auch mit der gnadenlos leistungsfähigen Videoschnitt- und Coloringsoftware DaVinci Resolve die Hölle heiß, zumal auch dieses Programm mit nur leicht eingeschränktem Funktionsumfang völlig kostenlos zur Verfügung steht. Unter Linux läuft Resolve auch, „out of the box“ allerdings bisher nur auf der recht exotischen Variante CentOS sowie mit sehr expliziten Hardware-Anforderungen.

In diesem Bereich darf man auch die schon erwähnte freie Software Blender nicht vergessen – auch dieses Paket bietet neben der 3D-Animation mächtige Compositing- und Videoschnittfunktionen. Allerdings ist die Bedienung des Video-Editors in Blender so weit von den üblichen Standards entfernt, dass die Einarbeitung aus meiner Sicht sehr mühsam ist, zudem ist der Funktionsumfang in diesem Modul derzeit (Stand 2017) noch nicht konkurrenzfähig. Andere bekannte Linux-Videoschnittprogramme wie Kdenlive, Cinelerra oder Openshot erfüllen meine Anforderungen bisher ebensowenig.

In der Summe gehört die Zukunft meiner Meinung nach Software, die dem User keine Fesseln mehr anlegt, zum Kauf eines bestimmten Systems oder bestimmter Hardware zwingt. Ich empfinde es als tragisch, dass die Verwaltung der Stadt München das Projekt Limux begraben hat und als anscheinend unreformierbarer Großkunde in die Hände von Microsoft zurückgekehrt ist. Die Entwicklung des Softwaremarktes und die allgegenwärtigen Sicherheitsprobleme zeigen für meine Begriffe genau in die entgegengesetzte Richtung. Mich persönlich wird vermutlich nichts mehr dazu bewegen können, meine Arbeit auf die geschlossene restriktive Monokultur eines einzigen Anbieters zu stützen.