Android, das mobile Betriebssystem von Google, taugt auf den heutigen schnellen Geräten in vielen Bereichen als fast vollwertiger Desktop-Ersatz. Das gilt für iOS prinzipiell gleichermaßen, aber ich habe nach ziemlich vielen Jahren zufriedener Nutzung nun mein iPad 2 in Rente geschickt – das Betriebssystem kann nicht weiter aktualisiert werden, somit auch viele Apps nicht mehr, und das Surfen im Netz wurde allmählich quälend langsam. Das iPad war in meiner Ausrüstung ein echter Exot – Apple-Hardware empfinde ich als deutlich überteuert. So habe ich mich entschieden, bis auf weiteres wieder auf Android zu setzen, dessen prinzipielle Offenheit mir grundsätzlich besser gefällt als der extrem restriktive Sandkasten der Apple-Welt. Und das Angebot der Apps ist mittlerweile so gut, dass kaum Wünsche offen bleiben. Dennoch habe ich ziemlich viel Zeit damit verbracht, die Spreu vom Weizen zu trennen und herauszufinden, welche Apps für mich wirklich nützlich sind. Nachfolgend nun einige Tipps – Stand März 2018 – für eine erstaunlich leistungsfähige extrem mobile Arbeitsumgebung auf der einigermaßen aktuellen Android-Version 7 oder höher.

Der Webbrowser Firefox, SoftmakerOffice, der Mediaplayer VLC und SimpleMind gehören für mich zur plattformübergreifenden Grundausstattung. Thunderbird ist für Android bisher nicht verfügbar, mein bevorzugter Mailclient ist daher K-9 Mail, und die Standard-Kalenderapp von Android empfinde ich als ausreichend. Als Cloudservices nutze ich nach langem Zögern Google Drive und Evernote – wobei für mich weiterhin klar ist: Sensible Daten gehören grundsätzlich gar nicht in die Cloud, egal zu welchem Anbieter. Als FTP-Client dient mir AndFTP, als RSS-Reader Feedly und als komfortabler Podcast-Empfänger AntennaPod. Der beste Filemanager ist für mich definitiv FX, und ich finde, es lohnt, die kostenpflichtigen Funktionen freizuschalten.

Nun zu den entwas anspruchsvolleren Aufgaben. Videoschnitt gelang lange Zeit auf iOS besser, dank des guten vorinstallierten iMovie. Nun aber existiert mit KineMaster auf Android eine (recht teure) App, die deutlich professionellere Features zur Bearbeitung von Videoclips bietet. Der gewaltige Funktionsumfang und die durchdachte Oberfläche suchen auf Mobilgeräten ihresgleichen. Als mobiles Not-Tonstudio habe ich Audio Evolution Mobile installiert. Das Mehrspurprogramm lässt sich auch auf einem Smartphone-Bildschirm gut bedienen und bietet sämtliche gewohnten professionellen Grundfunktionen. Zur Fotobearbeitung nutze ich PhotoDirector sowie Adobe Lightroom CC. Sogar für die Erstellung von 3D-Modellen gibt es (im Unterschied zu iOS) eine tatsächlich taugliche App: SpaceDraw hat eine anfangs gewöhnungsbedürftige Oberfläche, stammt aber erkennbar von einem Entwickler, der sich mit den Anforderungen an 3D-Software bestens auskennt. Die App holt meiner Meinung nach das Beste aus der mobilen Plattform heraus.

Ein echter UML-Editor steht unter Android bisher zu meinem Leidwesen nicht zur Verfügung. Aber immerhin existieren zwei sehr gute Editoren für Programmcode: Nach ausführlichen Tests scheinen mir CppDroid (für – unschwer erkennbar – C++) und 920 Text Editor (für C++, Python und HTML) konkurrenzlos. Meiner Meinung nach sind sie derzeit die einzigen entsprechenden Tools, die die nötigen Profifunktionen bieten. Dazu gehören für mich gut erreichbare lästige Sonderzeichen wie die unverzichtbaren geschweiften Klammern { } und die Auto-Vervollständigung eines Bereichs mit der jeweiligen schließenden Klammer. Außerdem benötige ich persönlich unbedingt eine separate Übersichtsliste der „Symbole“, also der Variablen und Objekte in einem Programm, sowie die Möglichkeit, Programmabschnitte ein- und auszuklappen. Auch die Möglichkeit, häufig gebrauchte Codeschnipsel mit einem Kürzel aufzurufen, empfinde ich als sehr nützlich. Beide genannten Apps bieten jeweils die meisten dieser Funktionen, im Gegensatz zu einigen bekannteren, aber für meine Begriffe untauglichen Quellcode-Editoren wie DroidEdit Free oder C4Droid.

Zum Abschluss noch eine Liste nützlicher kleiner Helfer für unterwegs. Musik höre ich mit dem MortPlayer Music, als E-Book-Reader bevorzuge ich (neben der Kindle-App) das Programm EBookDroid. Diagramme erzeuge ich mit DrawExpress, ein sehr guter Taschenrechner ist RealCalc. Scanbot digitalisiert Gedrucktes, und das bewährte Öffi hilft, im Nahverkehr den Überblick zu behalten.