Es muss etwa 1997 gewesen sein, als ich mein erstes digitales Videoschnittsystem erwarb: Die „VideoMachine“ der nicht mehr existenten Münchner Firma FAST. Das Paket aus Hard- und Software war eines von nur zwei Systemen, die damals AVID herausgefordert hatten (das andere war Media 100) – und das einzige, das unter Windows lief und das ich mir mit einiger Mühe leisten konnte. Die Entwickler waren nicht nur fähig – das System hielt, was es versprach – sondern auch humorbegabt: In den Voreinstellungen konnte man wählen, ob Systemmeldungen auf Deutsch, Englisch, Bayerisch oder Klingon ausgegeben werden sollten. Die VideoMachine lief also unter Windows, so folgte ich dem Pfad der Firma Microsoft, der damals im Bereich der Medienproduktion als Weg zur dunklen Seite der Macht galt – und als Weg zum dunklen Bildschirm, oder zumindest zum tiefblauen „blue screen of death„, der einen Totalabsturz des Systems signalisierte. Apple-Anhänger lachten darüber, manchmal zurecht, allerdings auch mit einem etwa fünf Mal tieferen Loch in der Freiberuflerkasse.

Heute tobt der Kampf der Systeme noch immer, wenngleich dank leistungsfähigerer PCs spezielle Hardware im Medienbereich keine Rolle mehr spielt. Stattdessen haben viele unerwartete Entwicklungen den Markt so vollständig umgewälzt, wie ich es mir nie hätte ausmalen können – und heute stehen meiner Ansicht nach ganz andere Fragen im Mittelpunkt: Welche Systeme sind wenigstens minimal zukunftssicher und einigermaßen gegen Angriffe aus dem Netz geschützt?

Meiner Meinung nach gar keine. Nach vielen Jahren der Praxis und unzähligen Tests lautet meine Empfehlung für das beste Betriebssystem im Medienbereich: Mehrere gleichzeitig. Die teils krassen und/oder absurden Sicherheitsprobleme (über dieses aktuelle Beispiel habe ich herzlich gelacht – fünf Milliarden betroffene Systeme… mehr geht nicht) verbreiteter Systeme und ihrer Hersteller würden mich nicht mehr ruhig schlafen lassen, wüsste ich nicht, dass meine Werkzeuge fast vollständig auf drei verschiedenen Betriebssystemen jederzeit verfügbar sind. In meinem Fall sind das Windows, Linux und Android. Apples iOS war auch mal dabei, aber bei mir aus historischen Gründen immer eine Randerscheinung. Egal – wichtig scheint mir nur, sich nie mehr auf einen einzelnen Hersteller zu verlassen, will man die Verfügbarkeit seiner Werkzeuge, seiner Kommunikationskanäle, seiner Kontakte und seiner Cloud-Daten auch dann möglichst nahtlos sicherstellen, wenn Funktionen aufgrund von Angriffen, Fehlern oder simplen Marketingentscheidungen ganz oder teilweise ausfallen. Linux ist heute nach meinem Empfinden auch im Bereich der Medienproduktion ebenbürtig – und auf einigen Feldern sogar überlegen. Dazu an anderer Stelle entsprechende Details.